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Wenn alles zu viel wird: Was du in einer akuten Krise tun kannst – und wo du Hilfe findest

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Vielleicht hast du gerade das Gefühl, dass du nicht mehr kannst? Dass nichts mehr geht? Oder du erlebst jemanden in deinem Umfeld so?

Damit bist du nicht allein! Solche Krisen können jeden treffen, ganz unabhängig davon, wie stabil oder resilient man sich sonst fühlt.  

Und das Wichtigste gleich vorweg: Egal, wie schlimm es sich gerade anfühlt, es gibt Wege heraus. Scheu dich nicht, dir Hilfe zu holen!


Was ist überhaupt eine Krise?

Eine psychische Krise ist eine menschliche Reaktion auf eine bedeutsame Situation, die man aktuell nicht bewältigen kann. Krisen entstehen durch ganz unterschiedliche Auslöser: Verluste, Trennungen, Jobverlust, Traumata oder auch chronischen Stress, der sich über lange Zeit aufgebaut hat. 


Typische Reaktionen auf eine Krise: 

- Man ist impulsiver als sonst, handelt und reagiert also schneller und unüberlegter als sonst. Es kann aber auch im Gegenteil Antriebslosigkeit bis hin zu Gleichgültigkeit gegenüber allem vorherrschen.

- Starke Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Angst stehen im Vordergrund

- Hobbys werden vernachlässigt. 

- Negative Gedanken, Gedankenkreisen oder „Was‑wäre‑wenn“‑Phantasien sind vorherrschend

- Man trinkt mehr Alkohol, raucht oder konsumiert mehr Drogen.

- Auch der Körper kann verstärkt reagieren: z.B. mit Kopfschmerzen, Herzrasen, Muskelverspannung, schlechtem Schlaf, innerer Unruhe, Unfähigkeit stillzusitzen, innerer Getriebenheit. 

- Suizidgedanken -vielleicht sogar schon mit konkreten Ideen oder Plänen.

(diese Liste könnte noch viel länger sein - bei jedem Menschen zeigen sich Krisen anders)


Erste Hilfe für akute Überforderung - was du selbst tun kannst

Wenn du merkst, dass die innere Anspannung gerade durch die Decke geht, können diese Soforthilfen helfen, den ersten Druck zu lösen. Sie sind kein Ersatz für professionelle Hilfe – aber eine wichtige Brücke:

  • Weih eine Vertrauensperson ein: Aussprechen zu dürfen, was in dir tobt, kann unglaublich entlastend sein. Oft kannst du deinen engsten Vertrauten mehr sagen, als du dich zunächst traust. 

  • Gedanken aufschreiben: Schreib auf, was dich belastet – ohne Filter, ohne Ziel. Das beruhigt starke Gefühle oft spürbar.

  • Körperlich auspowern: Laufen, Treppen steigen, Kissen verhauen – intensive Bewegung kann das körperliche Stresslevel senken und überschießende Energie entladen.

  • Atmen: Langsames Ausatmen (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus) beruhigt den Körper von innen.

  • Grounding: Nimm bewusst wahr, was du gerade siehst, hörst, riechst, fühlst. Das holt dich aus dem Gedankenstrudel zurück in den jetzigen Moment.

  • Kälte / Wasser: Hände unter kaltes Wasser halten, Eiswürfel halten oder das Gesicht kurz in kaltes Wasser tauchen – das kann starke Anspannung rasch dämpfen.


Wichtig: Diese Methoden helfen kurzfristig. Wenn du immer wieder in solche Zustände gerätst, wäre professionelle Hilfe wichtig. 


professionelle Hilfsangebote bei akuten Krisen

Besonders wenn du sehr verzweifelt bist, oder Suizidgedanken vorhanden sind, wende dich bitte umgehend an eine der folgenden Stellen:

🚨 Akuter Notfall (z.B. bei starken Suizidgedanken)

  • Notruf / Feuerwehr: 112 (EU-weit)

  • Polizei: 110 (Deutschlandweit)


📞 Krisentelefone (kostenlos, anonym)

💬 Für Familien

🏥 Psychiatrische Notaufnahme

  • Psychiatrische Klinik in deiner Nähe

  • Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA): direkt beim nächsten psychiatrischen Krankenhaus anfragen – es ist keine Überweisung nötig.


weitere Unterstützung


Keine Angst vor der Psychiatrie

Viele Menschen zögern, eine psychiatrische Notaufnahme aufzusuchen – aus Angst vor Zwangseinweisung, vor Stigma oder einfach, weil man nicht weiß, was einen erwartet. 

Dabei ist der Gang dorthin meistens viel unkomplizierter als befürchtet.

Du kannst jederzeit freiwillig gehen – und du kannst auch einfach nur reden, ohne dass sofort etwas passiert. Eine kurze Einweisung gegen deinen Willen ist die absolute Ausnahme und nur unter sehr engen rechtlichen Voraussetzungen möglich. Was du in der Regel bekommst, ist ein ruhiger Raum, ein offenes Ohr und professionelle Einschätzung dessen, was du gerade brauchst.

Was Suizidgedanken oft wirklich bedeuten

Menschen, die an Suizid denken, wollen häufig gar nicht sterben – sie wollen aber nicht mehr so leiden. Sie wollen, dass dieser eine große, erdrückende Schmerz aufhört. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Viele Probleme, so ausweglos sie sich in der Krise anfühlen, sind lösbar. Oder zumindest kann man eine neue innere Haltung dazu finden.  

Und es gibt Menschen, die genau das gelernt haben: dir zu helfen, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Wende dich unbedingt an eine der oben genannten Stellen. 

Auch als Angehöriger oder Freund kannst du dir Unterstützung durch die oben genannten Hilfsangebote holen. 


weitere Mythen rund um Suizid – was Angehörige wissen sollten

Gerade wenn es jemandem nicht gut geht, halten sich Mythen hartnäckig. Oft führen sie dazu, dass auch Angehörige oder Freunde unsicher sind und vielleicht lieber nichts ansprechen. Dabei könnten sie so hilfreich sein. ​​​​​​​

Hier ein paar der häufigsten Mythen:

  • „Wenn man Suizidgedanken anspricht, bringt man den Betroffenen erst auf dumme Ideen.“ – Falsch. Stattdessen senkt das direkte Ansprechen von Suizidgedanken das Risiko diese umzusetzen. Das Gefühl, gesehen zu werden und gemeinsam weitere Schritte anzugehen, kann entlastend sein.

  • „Krisen sind unheilbar.“ – Falsch. Krisen sind vorübergehend. Mit der richtigen Unterstützung lassen sie sich überwinden – selbst sehr schwere.

  • „Ein bisschen zusammenreißen und dann geht es schon wieder“ – Falsch. Psychischer Schmerz ist echter Schmerz. Er braucht genauso Aufmerksamkeit wie körperlicher. Betroffene haben in der Regel inständig oder lange versucht, sich zusammenzureißen. Wahrscheinlich ist diese Kraft aufgebraucht und es braucht neue Wege.

  • „Wer Psycho-Hilfe sucht, tickt nicht richtig.“ – Falsch. Hilfe zu suchen ist mutig. Es ist ein Zeichen von Selbstverantwortung und Stärke. Wir alle können in schwere Krisen kommen, das bedeutet nicht, dass wir verrückt sind.

Liebe Angehörige, wenn ihr ein mulmiges Gefühl habt, helft aktiv mit, dass sich euer/ eure Betroffene Hilfe sucht. Er/ sie wird es euch aller Erfahrung nach später danken.


Wo psychologische Onlineberatung helfen kann – und wo nicht

Psychologische Onlineberatung wie die, die wir hier anbieten, ist ein guter Ort für Reflexion, Orientierung und Begleitung in herausfordernden Lebensphasen. Sie ersetzt jedoch keine psychiatrische und/ oder psychotherapeutische Behandlung und ist nicht geeignet für akute Krisen mit Selbstgefährdung.

Wenn du dir gerade selbst nicht sicher bist – bitte wende dich sofort an eine der oben genannten Stellen. 

Das ist keine Absage an dich, sondern eine Weiterleitung zu dem, was du gerade wirklich brauchst.


Wenn du dich stabilisiert hast und merkst, dass du mit jemandem über das Erlebte sprechen möchtest – oder präventiv an deiner psychischen Gesundheit arbeiten willst – dann sind wir gerne für dich da.


Komm gut durch die Krise

Natasha und Miriam


Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Beratung. Bei Suizidgefahr bitte sofort handeln.​​​​​​​

 
 
 

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